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Geburtsbericht

Inga (Sommer 2003)

Gegen Mitternacht beginnen sie wieder, die Vor- oder Übungswehen. Das ist schon die dritte Nacht, die ich mir um die Ohren schlagen muss, denn die Wehen sind zu stark um weiterzuschlafen, und zu schwach, um schon echte Geburtswehen sein zu können. Denke ich... Nach einer Stunde stehe ich auf und gehe ins Wohnzimmer um zu lesen. Nach noch mal einer Stunde mache ich mir einen Tee und eine Wärmflasche, denn die Wehen denken nicht daran, aufzuhören und mich zurück ins Bett gehen zu lassen. Sie sind stärker als in den beiden Nächten davor, aber nicht so stark, dass die Geburt wirklich angefangen haben kann. Um meinen Körper dazu zu bringen, vielleicht doch mit der Geburt zu beginnen, hole ich auch die beiden Pfannenwender aus der Küche und drücke sie bei jeder Wehe in beiden Händen zwischen Handballen und Fingerkuppen, um die Wehen zu verstärken.

Wer weiß, vielleicht wirkt es ja? Die Wehen sind nicht regelmäßig, mal mit 5 Minuten, mal mit 10 Minuten Pause und werden weder heftiger noch häufiger. Ich hänge im Sofa und wechsle ab zwischen lesen, dösen und Pfannenwenderdrücken.

Die Zeit vergeht schnell, und gegen 5 Uhr kommt Sylvain ins Wohnzimmer, um zu gucken, wo ich bin. Mittlerweile denke ich, dass es vielleicht doch begonnen hat, denn ich habe nun schon seit 5 Stunden Wehen. Sie sind zwar stärker als gestern und vorgestern, aber nicht wirklich schmerzhaft, sondern gut zu veratmen.

Ich schicke ihn zurück ins Bett, denn hier rumliegen und abwarten, dass es entweder wieder aufhört oder endlich richtig losgeht, kann ich besser allein.

Gegen 6:30 kommt er wieder und der Tag beginnt, mit Teekochen, Radio und Dusche. Zuviel Aufregung für meinen Körper, die Wehen hören auf.

Und das, wo ich gerade daran geglaubt habe, dass es so langsam losgeht!

Ich bin frustriert und beschließe, die Hebamme anzurufen, damit sie mich untersucht und mir sagt, ob die drei Nächte Wehen wenigstens schon mal einen oder zwei Zentimeter Eröffnung des Muttermundes gebracht haben. Da ich sie aber nicht aus dem Bett holen will, warte ich noch bis 7:30 damit.

Da ich immer noch keine Wehen mehr habe und um 10 Uhr sowieso einen Kontrolltermin in der Hebammenpraxis, sagt sie mir, dass ich den Termin wahrnehmen soll, wenn ich es körperlich kann. Das kann ich, und so sitze ich um 10 Uhr frisch geduscht im Wartezimmer der Hebamme. Sylvain hat sich freigenommen und ist mit mir mitgekommen, denn ich sehe wohl doch ganz schön müde aus. Im Auto und im Wartezimmer habe ich jeweils eine kleine Wehe, die ersten seit morgens um 6:30. Ich erzähle der Hebamme meine Geschichte, und sie untersucht mich: »Meiner Meinung nach bist du schon ganz schön weit«, sagt sie und deutet ca. 7 cm zwischen Daumen und Zeigefinger an. Ich frage nach und sie untersucht noch einmal: »Ja, ich bin mir zu 99% sicher, dass du ca. 7 cm Eröffnung hast!« DAS ist eine gute Neuigkeit und ich reiße die Arme hoch und springe beinahe vom Untersuchungstisch.

Dann vereinbaren wir, dass sie ihre diensthabende Kollegin anruft und diese zu uns nach Hause schickt, um die Geburt zu betreuen. Wir fahren also auch nach Hause, und als wir aus dem Auto steigen, kommt uns Stefanie, die Hebamme, bereits entgegen.

Auf dem Weg nach oben sage ich zu ihr, dass wir offiziell ausgemacht hätten, ins Krankenhaus zu fahren – aus Sicherheitsgründen – dass ich nun aber doch gerne eine Hausgeburt hätte. »Lass mal, das machen wir schon« ist ihre Antwort. Oben lege ich mich aufs Bett und Stefanie untersucht mich. Der Muttermund ist schon 9 cm offen, unglaublich! Aber ich habe immer noch keine Wehen, auch nicht, als sie die Fruchtblase aufsticht. Und so lässt sie uns noch mal eine Stunde alleine, um Hausbesuche zu machen mit den Worten: »Du brauchst anscheinend deine Decke und deinen Halbschlaf. Ich bin um 12:00 wieder da, ruf an, wenn es früher nötig ist.« Und weg ist sie. Schon 10 Minuten später setzen die Wehen wieder ein, und diesmal glaube ich auch, dass es echte Geburtswehen sind, denn sie sind schwieriger wegzuatmen.

Nach einer Stunde habe ich das erste Mal das Gefühl, pressen zu müssen. Auch wenn es bei der nächsten Wehe wieder weg ist, lasse ich Sylvain anrufen, damit Stefanie da ist, wenn es wirklich losgeht. 10 Minuten später ist sie da, muss aber noch mal im Wohnzimmer warten, bis das Pressgefühl wirklich bei jeder Wehe da ist. Ich lasse mir einen Schluck Kaffee bringen, um die Wehen noch mal anzukurbeln. Es hilft, denn obwohl ich meiner Meinung nach den Beginn einer Wehe nicht fühle, sondern selbst in regelmäßigen Abständen beschließe, jetzt mal wieder ein bisschen zu pressen, übernimmt mein Körper dann die Regie und bringt mich dazu, so stark zu pressen, wie ich es ohne Wehe nie gekonnt hätte. Dabei habe ich keine Schmerzen, sondern bin nur von der körperlichen Anstrengung außer Atem. Gut, dass es relativ lange Pausen zwischen den Wehen gibt.

Nach ca. einer Stunde schlägt Stefanie vor, auf den Gebärhocker zu wechseln, damit die Austreibung etwas schneller geht. Ich will aber nicht, denn ich kann mir nicht vorstellen, mich jetzt noch mal bewegen zu müssen, ich liege gerade so gut im Bett. Aber eine halbe Stunde später fragt sie noch mal, etwas drängender, und ich gebe nach und werde auf dem Hocker installiert. Ich sitze zwischen Sylvains Beinen und stütze mich auf seinen Oberschenkeln ab und wir stellen einen Spiegel an den Schrank, damit er auch sehen kann, was passiert. Ich sehe nichts ohne Brille, das ist mir aber recht, ich möchte mich lieber konzentrieren.

Jetzt geht es plötzlich viel schneller, habe ich das Gefühl. Ich spüre, wie meine Beine von innen auseinander gedrückt werden und kann auch im Spiegel verschwommen einen dunklen Fleck erkennen. Noch einige Presswehen, und Stefanie beginnt, mich zu dirigieren, um den Damm zu schonen, denn jetzt ist das Köpfchen beinahe draußen. Und noch zwei Wehen und unser Kind ist da! Um 13:20, dreizehn Stunden nach der ersten »Vorwehe«!

Ich bin stolz und übermütig, wie nach einer Gipfelbesteigung und sage nur immer wieder »Hallo Du« zu dem Bündel in meinem Arm. Nach einigen Minuten fragt Stefanie, ob wir denn nicht wissen wollen, was es ist und wir sagen: »Ja, natürlich!« und gucken weiter das in ein Tuch gewickelte Baby an. Erst nach ihrer Aufforderung: »Ja, dann guckt doch nach!« lachen wir und schlagen das Tuch auf: »ein Mädchen!« Sie soll Elisa heißen.

Jetzt lege ich mich mit Elisa auf dem Bauch ins Bett und Stefanie kümmert sich um die Plazenta. Gott sei dank muss ich nicht genäht werden. Das alles bekomme ich nur am Rande mit, der Stolz auf mein Kind und die schöne Geburt beanspruchen mich völlig.

Außerdem lege ich Elisa zum ersten Mal an und sie trinkt sogar schon einige Schlucke!

Danach wird sie untersucht, alles ist in Ordnung. Wir sehen zu und können es noch immer nicht ganz fassen, dass unser Baby jetzt da ist.

Das ist wirklich der schönste Tag in unserem Leben!